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Digitalsierung Fehler (Bild: Freepik / Montage: netz98)
16. August 2018 von in Digitalisierung

Die 12 größten Fehler bei der Digitalisierung von Unternehmen

Es gibt keine Patentlösung, wie Unternehmen ihre Digitalisierung erfolgreich meistern können. Aber es ist mittlerweile recht klar, was nicht getan werden darf. Wir haben die wichtigsten Not-To-Dos zusammengeschrieben.

 

Digitalisierungsfehler als Showstopper

Zugegeben, die Digitalisierung anzugehen und erfolgreich zu managen, ist eine große Herausforderung. Das Thema stellt sich als vielschichtig und komplex dar, der Weg und das anvisierte Ziel sind ungewiss. Doch gleichermaßen bietet der derzeitige Umbruch extrem viel Potential. Unternehmen, die bereits ihre Digitale Transformation begonnen haben, sind größtenteils mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Das ergab zum Beispiel die Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“ der Deutschen Telekom.

 

Infografik Zufriedenheit mit der Digitalisierung Mittelstand (Bild: Deutsche Telekom)Mehr Absatz, mehr Neukunden und mehr Effizienz: Firmen, die sich als „Digital Leader“ bezeichnen, sind extrem zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Digitalisierung (Quelle: Deutsche Telekom)

 

Damit dieses Potential gehoben werden kann, müssen Unternehmen jetzt die Weichen stellen und auf ihrer digitalen Reise ein paar wichtige Digitalisierungsfehler vermeiden. Aus unserer täglichen Erfahrung mit Digitalisierungsprojekten haben wir die größten „Showstopper“ zusammengefasst, die unbedingt vermieden werden sollten.

 

Fehler Nr. 1: Die Digitalisierung ignorieren

Die Digitalisierung ist nicht nur eine kurzfristige Modeerscheinung, die bald wieder vorüberzieht, sondern die nächste Stufe der Industrialisierung. Außerdem läutet sie die sogenannte Industrie 4.0 ein. Damit verbunden sind viele Neuerungen und Umbrüche. Sich damit zu beschäftigen ist anstrengend, kostet viel Zeit und Geld, und das Ergebnis ist meist ungewiss.

Trotz dieser gewaltigen Herausforderung sollten Entscheider einen ganz großen Fehler nicht begehen: den Kopf in den Sand stecken! Die Digitalisierung zu ignorieren kommt einem Stillstand gleich. Früher oder später wird jedes Unternehmen sich damit auseinander setzen müssen. Es gibt schon heute einige Firmen, die aufgrund ihrer Verweigerungshaltung vom Markt verschwunden sind.

 

Fehler Nr. 2: Das Thema auf die leichte Schulter nehmen

Fast so schlimm wie eine Komplettverweigerung ist ein lapidarer Umgang mit dem Thema Digitalisierung. Der Digitale Wandel ist nichts, was man „,mal so nebenher“ meistern kann. Richtig, oder gar nicht – das sollte die Devise sein!

 

Fehler Nr. 3: Monolithisch denken und agieren

Besonders große Unternehmen, welche die Digitalisierung angestoßen haben, begehen oft einen Fehler: Sie agieren in Silos. Das bedeutet, Abteilung A, B, C und D besitzen eigene Projektgruppen, die jeweils verschiedene Projekte zur Digitalen Transformation anstoßen. Dabei denkt aber keiner an das große, gemeinsame Bild. So digitalisiert sich zwar jede Abteilung, aber das Unternehmen im Gesamten besteht aus vielen Einzellösungen.

Das Problem dieser Einzellösungen ist meist, dass sie nebeneinander existieren, aber nicht miteinander vernetzt sind. Da gibt es eine neue CRM-Lösung im Marketing, der Vertrieb agiert mit Smartphone-Apps, die Finanzabteilung setzt auf eine Cloud-Software und das gesamte Unternehmen nutzt ein monolithisches ERP. Wichtige Daten – zum Beispiel Kundendaten – werden nicht ausgetauscht. Es existieren somit mehrere Paralleluniversen, welche unnötig viel Geld kosten und zudem Prozesse langsam und ineffizient machen.

 

Fehler Nr. 4: Ungeklärte Verantwortlichkeiten

Wie erwähnt, betreiben viele Unternehmen parallel verschiedene Digitalisierungsprojekte. Diese werden oft von den Teams neben ihrer eigentlichen Arbeit betreut. Und in diesen Firmen gibt es oft auch keinen Hauptverantwortlichen, der alle Projekte kennt und steuert. Das ist ein Fehler!

Besonders in großen Unternehmen muss es dedizierte Mitarbeiter geben, die sich nur mit Digitalisierungsprojekten beschäftigen. Diese werden von einem CDO (Chief Digital Officer) koordiniert. Der CDO muss eine wichtige Position auf Geschäftsführer-Ebene oder gleich darunter besitzen. Er verfügt über ein eigenes Budget und kann die meisten Entscheidungen eigenständig fällen.

 

Fehler Nr. 5: Sparzwang und Mini-Budgets

Weder ist es einfach, die Digitale Transformation eines Unternehmens anzustoßen und durchzuführen, noch ist das Vorhaben günstig. Wenn sich Firmen für die Industrie 4.0 rüsten, um in ein paar Jahren noch konkurrenz- und überlebensfähig zu sein, müssen entsprechend hohe Budgets bereitgestellt werden. Und dies über viele Jahre hinweg!

Selbstverständlich sollte auch bei Digitalisierungsprojekten das Geld nicht mit der Gießkanne verteilt und aus dem Fenster geschmissen werden. Geiz und Sparsamkeit sind ebenso kontraproduktiv. Jeder Verantwortliche muss stets die höchste Qualität und eine nachhaltige Investition in die Zukunft im Blick haben.

 

Fehler Nr. 6: Nicht am Puls der Zeit sein

KI, Big Data, Cloud, VoD, 3D-Printing, IoT, Smart Home … die Digitalisierung besteht aus einem Konglomerat an Fachbegriffen und Konzepten. Fast täglich kommen neue hinzu. Hier den Überblick zu behalten und die Themen richtig einschätzen zu können, stellt eine immens große Herausforderung dar. Was heute „hot“ ist, kann morgen schon ein alter Hut und übermorgen veraltet sein.

Deswegen benötigt jedes Unternehmen, das beim Thema Digitalisierung Vollgas gibt, entsprechendes Fachpersonal. Dieses muss durch Fortbildungen, Messebesuche, Webinare und ähnliche Maßnahmen stets am Puls der schnelllebigen Zeit bleiben. Doch wie Etventure in einer Erhebung herausfand, sind über die Hälfte der Arbeitnehmer fachlich noch nicht auf die Digitalisierung vorbereitet:

 

Obwohl der digitale Wandel mit großen Schritten voranschreitet, fehlt immer mehr Mitarbeitern das entsprechende Know-how. (Quelle: Etventure)

 

Da Unternehmen extrem viel Fach- und Spezialwissen benötigen, ist es unabdingbar, dass sie sich externe Hilfe und Unterstützung holen. Consultants und Agenturen, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, können unter anderem als wichtige Wissensträger, Systemintegratoren und Realisatoren dienen.

 

Fehler Nr. 7: Analoge Prozesse werden lediglich zu digitalen Prozessen

Wenn ein Unternehmen seine Digitalisierung angeht, darf es nicht den Fehler begehen, bestehende analoge oder halb-digitale Abläufe in digitale Prozesse zu überführen.  Sätze wie „das haben wir schon immer so gemacht“ sind Makulatur!

Stattdessen muss es den Mut geben, bestehende Strukturen aufzubrechen. Es muss über radikal neue Ideen und Konzepte nachgedacht werden, die besser zur digitalen Welt passen. Nicht nur das: Die digitalen Prozesse müssen auch noch morgen und übermorgen sinnhaft und zielführend sein.

 

Fehler Nr. 8: Innovationen vernachlässigen

Unternehmen dürfen die Digitalisierung nicht als Belastung, sondern als einmalige Chance ansehen. Sie bietet die Möglichkeit, ganz neue, bislang ungeahnte Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Apple, Google, Amazon, AirBnB: Diese Unternehmen haben den Digitalen Wandel in den letzten Jahren mitbestimmt und mit innovativen Ideen ganz neue Geschäftsmodelle eröffnet.

Vielen Start-ups gelang eine Disruption, ein Aufbrechen und radikales Verändern bestehender Strukturen. Ein Beispiel dafür ist Netflix: Unter anderem wegen dieses Online-Videodienstes werden immer weniger Filme auf DVDs/Blu-rays gebrannt und über den Einzelhandel verkauft, Videotheken sterben aus. Dafür können die Film- und Serienfans heute 24/7 ihre Inhalte anschauen, egal wann und wo sie sich befinden.

In der Welt von Morgen wird es höchstwahrscheinlich selbstfahrende Autos, Essen aus dem 3D-Lebensmitteldrucker und Urlaube in der Virtual Reality geben. Solche Dinge lassen sich nur mit innovativen Konzepten realisieren, bei denen Bits und Bytes eine extrem wichtige Rolle spielen.

 

Fehler Nr. 9: Nicht an den Kunden und die User denken

Es gibt Gründe, warum unzählige, extrem innovative Start-ups scheitern. Ein Grund ist, dass die Innovation so neu war, dass sie nicht vom Kunden angenommen wurde. Diesen Fehler begehen auch viele etablierte Unternehmen: Sie entwickeln extrem fortschrittliche Produkte und Dienstleistungen, die auf dem Markt trotzdem floppen. Denn sie dachten nicht an die Nutzer.

Nutzer, das können die eigenen Mitarbeiter sein oder die Endkunden. Wenn beide Zielgruppen den Sinn der Innovation nicht verstehen, sie mit der Bedienung nicht zurechtkommen oder das Angebot ihre Arbeit bzw. ihr Leben nicht vereinfacht, dann wurde das Produkt am Anwender vorbei konzipiert.

Um von vornherein das Risiko eines Scheiterns zu verringern, sollten bei der Konzeption, Planung und Umsetzung verschiedene Methoden angewendet werden. Zum Beispiel helfen User Stories, die Jobs To Be Done-Theorie, die Entwicklung eines MVP und der Einsatz von Zielgruppentests.

 

Fehler Nr. 10: Aufgeblähte Mega-Projekte zum Start

Wenn Unternehmen ihre Digitale Transformation ernst nehmen und einige der hier genannten Fallstricke beachten, legen sie in der Regel mit großem Enthusiasmus los – und begehen dabei dann doch Fehler. Einer ist, die einzelnen Projekte wie auch das gesamte Digitalisierungsvorhaben vom Start weg zu groß aufzuziehen.

Zwar ist es extrem wichtig, das „Big Picture“ vor Augen zu haben, umfassende Visionen zu kreieren und verschiedene Maßnahmen parallel anzustoßen. Doch das Ganze darf nicht zu einem unstemmbaren Kraftakt werden. Megaprojekte, die zudem auch noch nach der klassischen Wasserfall-Methode geplant werden, können schnell zu groß und unübersichtlich werden.

Bei der Entwicklung von Software und anderen digitalen Produkten eignet sich heutzutage eher eine agile Herangehensweise. Bei dieser verfolgt das Unternehmen zwar eine Vision, doch diese wird nicht in einem Zug realisiert. Stattdessen unterteilt man sie in viele User Stories / Tasks, die in ganz kurzen Sprints von zwei bis drei Wochen umgesetzt werden. Ähnlich funktionieren hybride Modelle.

 

Schaubild Hybride Modelle / Quelle: netz98
Bei der agilen oder hybriden Entwicklung entsteht in iterativen Schritten ein Produkt, das stetig getestet und ständig verbessert werden kann. (Quelle: netz98)

 

Unter Umständen entwickelt sich das Digitalisierungsprojekt nach ein paar Monaten in eine andere Richtung als geplant. Wenn diese Richtung aber dank einer starken Zielgruppenorientierung in einem kundefreundlicheren und marktnäheren Ergebnis mündet, ist dies eine positive Entwicklung.

 

Fehler Nr. 11: Keine Freiräume und kein Mut zum Scheitern

Was ist die beste Lösung, um ein Unternehmen in die digitale Zukunft zu bringen? Welche Innovationen werden in fünf Jahren den Markt bestimmen? Was wünschen sich die Kunden übermorgen? Diese Fragen kann niemand beantworten, denn es gibt nichts Ungewisseres als die Zukunft.

Dementsprechend gilt es, viele Hürden zu nehmen, verschiedene Richtungen auszuprobieren und durch die Erkenntnisse zu lernen. Zu dieser Form der Erkenntnisgewinnung benötigt es Mut und Freiräume, um experimentieren zu können. Projekte im Rahmen der Digitalisierung können nicht nach klassischen KPI gemessen werden. Von etwas, was neu und unbekannt ist, darf kein Manager erwarten, dass es gleich gelingt und Profit abwirft!

 

Fehler Nr. 12: Mangelnde Kommunikation

Was bedeutet die Digitalisierung für das Unternehmen? An welchen Projekten arbeiten die verschiedenen Abteilungen? Welche Vorteile hat die neue Cloud-Lösung, wie werden Predictive Maintenance und Big Data das Arbeitsleben der Mitarbeiter verändern? Derlei Informationen sind wichtig fürs Upper Management, genauso wie für den normalen Mitarbeiter. Das Wissen muss zwischen den verschiedenen Abteilungen ausgetauscht und unter Umständen leicht verständlich aufbereitet werden.

 

Fazit

Die Digitalisierung ist eine „Expedition ins Neuland“, so formuliert es die KPMG ganz passend in einem Essay. Dementsprechend weiß keiner, wo genau das Ziel liegt und wie man mit hundertprozentigem Erfolg dort ankommt. Aber sind wir mal ehrlich: Auch wenn Unternehmen durch ihre jahre- oder teilweise jahrzehntelange Erfahrung in ihren Branchen wissen, wie das Business tickt, besitzt keiner den Stein der Weisen oder eine Glaskugel. Jeder Tag ist auf’s Neue eine Herausforderung mit ungewissem Ausgang.

Somit darf sich keiner der Zukunft, die durch die Digitalisierung geprägt wird, verschließen. Besser ist es, sich wie immer den Herausforderungen zu stellen – aber das bitte richtig!

 


Lesetipps:

In unserem kostenlosen Magazin „Zukunftsthemen 2018“ erfahren Sie mehr über die Digitalisierung von Unternehmen. Und mit unserem Gratis-Whitepaper „E-Commerce-Projekte erfolgreich umsetzen – So meistern Sie die Digitale Transformation“ erhalten Sie wichtige Ratschläge zur erfolgreichen Umsetzung von E-Commerce- und Digitalisierungsprojekten.

 

Bilder: Freepik, Deutsche Telekom, Etventure

 

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