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mobile first
4. März 2014 von in E-Commerce Trends

Mobile First – Strategie der Zukunft?

Die konzeptionellen Ansätze, Webseiten für verschiedene Bildschirmgrößen – also auch mobile Geräte – zu optimieren, entwickeln sich stetig weiter. Eine Strategie, die sich verstärkt herauskristallisiert hat, nennt sich „Mobile First“. Einfach gesagt, beschreibt dieser Ansatz ein Vorgehen, bei dem in der Entstehung von Anwendungen oder Webseiten zuerst die mobile Variante entwickelt wird, bevor die Desktop-Version folgt. Dies steht im Kontrast zur derzeitig geläufigen Herangehensweise, bei der man im Nachhinein eine abgespeckte Version der Desktop-Seite für mobile Endgeräte entwickelt. Beim heutigen Ansatz werden Inhalte weggelassen, die nicht unbedingt notwendig sind und Elemente umgestaltet, damit sie auf einem Touchscreen nutzbar sind. Wieso sollte man nun „den Spies umdrehen“, wo doch die häufigste Nutzung von Webseiten nach wie vor über Desktop-PCs läuft?

 

Zahlen und Fakten

Die Frage ist berechtigt, jedoch sollte man die Statistiken genau betrachten: Laut der Plattform NetMarketShare liegt der mobile Anteil am globalen Browsing im Dezember 2012 bei 10,83 %. Im Gegensatz zu den 88,78 %, die den Desktop-Anteil ausmachen, ist das zwar wenig, aber das Wachstum am mobilen Markt ist acht Mal höher als das am Desktop-Markt. Der beste Zeitpunkt, hier aktiv zu werden, ist jetzt. „GO SMART“ ist eine Studie zur Smartphone-Nutzung 2012, die von Google, der Otto Group, TNS Infratest und dem TRENDBÜRO durchgeführt wurde. Es wird deutlich, dass sich ein Umschwung in der Mediennutzung abzeichnet. 71 % der Smartphone-Nutzer sind sich sicher, dass sie künftig noch häufiger mobil ins Internet gehen werden. Für viele Nutzer verschwimmt bereits der Unterschied zwischen mobilem und stationärem Internet. Zukünftig muss auch der Mobile-Commerce (M-Commerce) den Anforderungen gerecht werden, die bisher an den klassischen E-Commerce gestellt werden. Die Tatsache, dass die fehlende Mobile-Optimierung einer Webseite bei 22 % der Smartphone-Nutzer Frust auslöst, ist ein Zeichen dafür, dass die Ansprüche der Nutzer hoch sind.

 

Zusammenfassend könnte man sagen, dass das, was sich im mobilen Markt abspielt, nicht nur ein Trend ist, sondern dass mobiles Internet zu einem Massenphänomen wird. Dies nehmen bereits viele Unternehmen zum Anlass, ihre Marketing-Strategien und Verkaufskonzepte grundsätzlich neu zu überdenken.

Die Gründe, sich generell mehr mit dem mobilen Internet zu befassen, sind also zahlreich – jedoch genauso vielversprechend.

Die Mobile First-Strategie geht aber noch einen Schritt weiter: Die Konzentration auf die mobile Version einer Webseite in der Entstehungsphase birgt einige spannende Vorteile, auch für die spätere Desktop-Variante, die im Folgenden erläutert werden.

 

Fokus auf das Wesentliche

Der wichtigste Unterschied im Konzipieren einer mobilen Anwendung im Gegensatz zu einer Desktop Webseite liegt darin, dass man gezwungen ist, sich von Anfang an auf die wichtigsten Funktionen zu fokussieren. Bei einer Anwendung, die man für einen großen Bildschirm entwickelt, besteht immer die Gefahr, durch zu viele Funktionen und Angebote den Nutzer zu überfordern und die Übersichtlichkeit zu verlieren. Besonders bei stetiger Weiterentwicklung wirken Webseiten mit der Zeit überladen.  Nutzer befinden sich im Schnitt  nur wenige Sekunden auf einer Webseite, deshalb ist es unerlässlich darauf zu achten, dem Nutzer sofort die Inhalte zu bieten, die er sucht. Als Beispiel für dieses Phänomen nennt Luke Wroblewski, der Autor des Buches „Mobile First“, die Webseite der Southwest Airlines.

 

Webseite der Southwest Airlines für den Desktop

Webseite der Southwest Airlines für den Desktop

 

Auf dieser Seite wird jeder Pixel genutzt, um Informationen zu vermitteln oder Funktionen anzubieten.  Der Nutzer hat es schwer, sich zurechtzufinden. Bei einem Bildschirm, der ca. 80 % kleiner als ein Desktop-Bildschirm ist, geht es automatisch primär um das Thema „now your audience“ – was so viel bedeutet wie „was will meine Zielgruppe“. In der mobilen Variante der Southwest Webseite tauchen nur noch die sechs wichtigsten Funktionen auf. Nun könnte man spekulieren, wie die Desktop-Variante aussehen würde, wenn zuerst die mobile Seite erstellt worden wäre, bei der die Nutzerbedürfnisse im Mittelpunkt standen. Vielleicht wären genau diese sechs Punkte optisch hervorgehoben und so übersichtlich in die Webseite eingebaut, dass der Nutzer diese sofort wahrnimmt.

 

Mobile Webseite der Southwest Airlines

Mobile Webseite der Southwest Airlines

 

Als ein weiteres Beispiel nennt Wroblewski die Online-Fotoplattform Flickr, die es geschafft hat, aus 60 Navigationspunkten der Desktop-Version eine mobile Fassung zu machen, bei der es nur noch sechs Punkte gibt.

 

flickr für den Desktop

flickr für den Desktop

 

 

flickr mobil

flickr mobil

 

Wie hat flickr das gemacht? Sie haben untersucht, welche Funktionen tatsächlich genutzt werden und daraufhin das Konzept erstellt. Mittlerweile ist auch die Desktop-Variante deutlich verbessert worden.

 

Performance – ein Muss-Kriterium

Ein weiterer Punkt, der bei der Entwicklung von mobilen Internetseiten mehr in Augenschein genommen wird als bei der Umsetzung einer normalen Webseite, ist die Performance. Von Anfang an muss darauf geachtet werden, sämtliche Server-Anfragen auf dem optimalsten Weg umzusetzen, Bilder zu reduzieren, CSS- und JavaScript-Dateien zu komprimieren und so weiter. Mobile Nutzer möchten überall auf Webseiten zugreifen – auch bei schlechten Netzbedingungen. Optimiert man die Performance für ein mobiles Endgerät, wird die Webseite auf einem stationären Gerät umso schneller laufen. Somit haben beide Seiten gewonnen. Wer schon einmal versucht hat, im Nachhinein die Performance zu optimieren, der weiß, was es für Vorteile hat, sich von Beginn an diesem Thema intensiv zu widmen.

 

Inspiration durch mobile Geräte

Betrachtet man die Fähigkeiten, die mobile Endgeräte bieten, so können sie eine enorme Inspiration beim Konzipieren und Umsetzen einer Anwendung sein. Die Möglichkeiten GPS für Location Based Services zu nutzen oder die Kamera, Video- oder Audiofunktionalitäten in Anspruch zu nehmen, öffnen die Tür zu neuen innovativen Ideen und Funktionen. Besonders interessant ist die Unterstützung neuester Browsereigenschaften wie HTML5, CSS3 oder auch der Local Storage – eine Art der lokalen Datenspeicherung in mobilen Browsern.

Für die Gestaltung und Navigationsführung bieten Touchscreens eine tolle Grundlage für eine intuitive Bedienung – diese ist einer der Hauptgründe für die Beliebtheit der Smartphones überhaupt.

 

Warum sollte man sich das nicht zu Nutze machen, um die eigene Webseite attraktiver zu gestalten?

Optimiert man zuerst eine Webseite für die Nutzung mit der Maus, so kann man sich nicht sicher sein, dass es mit Touch-Gesten auch funktionieren wird. Allein sämtliche Informationen und Funktionen, die man nur über Mouse-Over-Effekte erhält, fallen auf einem mobilen Endgerät weg. Das Schöne an mobilen Geräten ist, dass sie sich auf das Wesentliche beschränken, sämtliche Zusatzelemente wie beispielsweise Weiter- oder Öffnen-Buttons sind nicht vorhanden. Ein Klick auf das Bild oder ein Wischen in einem Slider reicht völlig aus und bietet dem Nutzer die intuitive Bedienung, die er sich wünscht. Das Prinzip „Bake Content the Action“ – also die Elemente selbst funktional werden lassen – kommt hier vermehrt zum Einsatz. Sollte die Nutzung für eine Desktop-Webseite nicht aussagekräftig genug sein, kann man die notwendigen Bedienelemente nachträglich hinzufügen.

Auch im oben bereits erwähnten M-Commerce gibt es Möglichkeiten, die vier Phasen des Kaufprozesses, der Inspiration, der Evaluation, des Kaufs und des After-Sales, durch neue Technologien zu bereichern, sei es durch Augmented Reality, Echtzeitinformationen oder Individualisierbarkeit.

 

Personal shopping assistant App von IBM

Personal shopping assistant App von IBM

 

Es gibt noch viele weitere Technologien, die teilweise von stationären Browsern auch schon unterstützt werden. Konzentriert man sich zuerst auf die mobilen Geräte, so kann man den Ideen freien Lauf lassen. Die Fähigkeiten sind einfach da und möchten genutzt werden. Hat der Desktop-Browser nicht die Fähigkeiten eines Smartphones, kann man sich Alternativen überlegen oder alt bewährte Funktionen nutzen: Anstatt GPS könnte man eine Adresseingabe anbieten, anstatt der Handy-Kamera einen normalen Foto-Upload bereitstellen oder eine Verbindung zur Webcam herstellen. Das mobile Internet darf nicht einfach nur eine „Light-Version“ des stationären Internets sein, da es so viele Vorteile bietet. Vielmehr sollte sich die Konzeption an den neuesten Technologie-Standards und am Nutzerverhalten orientieren. Mickey Alam Khan (Autor von Mobile Marketer and Mobile Commerce Daily) beschreibt dies mit den treffenden Worten: „It is not the technology that is mobile, it is the consumer“.

 

Fazit

Betrachtet man alle aufgeführten Punkte, stellt man zunächst fest, dass mobile Geräte verschiedene Grenzen und Einschränkungen haben, die man jedoch zum eigenen Vorteil nutzen kann: Kleine Bildschirme erzwingen eine Fokussierung und langsame Verbindungen erfordern eine gute Performance. Die Tatsache, dass mobile Nutzer dem Gerät meistens nur einen Teil ihrer Aufmerksamkeit schenken, zeigt in der konzeptionellen Phase verschiedene Blickwinkel auf, durch die man zu einem erfolgreichen Endergebnis kommen kann. Die neuen Technologien wiederum ermöglichen ein großes Spektrum an innovativen Ideen und erweitern den Gedankenhorizont.

Es bleibt weiterhin spannend, welche Strategien und Konzepte in Zukunft den größten Erfolg haben werden. Die Mobile First-Strategie schlägt jedenfalls einen interessanten innovativen Weg ein, den es sich zu verfolgen lohnt.

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