Im letzten Beitrag zum Trendthema Internationalisierung hatte ich einige Tipps für die Auswahl der passenden Zielländer, die richtige Strategie, entsprechende Expertise, klare Verantwortung sowie zum idealen Shopsystem zusammengestellt. Heute gibt es Ratschläge zu Technologie, Standards und Services. Meine neuen Tipps zur Internationalisierung im E-Commerce.

 

 

1. Produkte: Herausforderung im internationalen E-Commerce

Die bloße Übersetzung statischer Inhalte genügt nicht für eine erfolgreiche Internationalisierung. Mit Hilfe eines Product Information Managements (PIM) können Sie nicht nur das Sortiment länderspezifisch anpassen, sondern auch alle Produktdaten – Artikelmerkmale, Beschreibungen, spezifische Detailinformationen sowie Verkaufsargumente und Bildmaterial – auf einer zentralen Plattform ver­walten und für bestimmte Märkte bereitstellen. Mit einem Translation-Memory-System (TMS) lassen sich den einzelnen Elementen der originalen Produktinformationen entsprechende Übersetzungen zuordnen und abspeichern. Verzichten Sie auf Text im Bild, sondern arbeiten Sie mit Bildunterschriften, das reduziert den Aufwand.

 

GS1 Shoe

 

2. Internationales Hosting: grenzenlose Shopperformance

Neu im Markt und dennoch unerreichbar? Einer der sichersten Wege, trotz bester Vorbereitung im internationalen Onlinehandel schnell wieder von der Bildfläche zu verschwinden, ist ein leistungsschwaches Hosting. Große Latenzen oder gar Ausfallzeiten sind in der Startphase nicht nur ärgerlich, sondern verspielen den Vertrauensvorschuss der Nutzer. Ein Content-Delivery-Network (CDN) sorgt etwa dafür, dass großvolumige Seiteninhalte wie Bilder von Caching-Servern im Heimatland des Nutzers bereitgestellt werden. Das verkürzt Antwortzeiten. Achten Sie bei Ihrem Hoster auf Service-Level-Agreements, die auch einen stabilen Betrieb bei internationalen Hosting-Lösungen sicherstellen. Generell muss der Anbieter an zentrale Knotenpunkte des Internet-Backbone angeschlossen sein.

 

Regalsprecher internationaler Onlinehandel Hosting CDN

 

 

3. Globale Logistik: Onlinekunden lieben Transparenz

In direkte Nachbarländer und Teile der EU können die Waren komfortabel aus Deutschland versandt werden. Bei langen Versandwegen und insbesondere großvolumigen, sperrigen Gütern lohnt sich die Einrichtung eines Lagers vor Ort und dessen Anbindung an ein Distributionszentrum – zumindest aber die Zusammenarbeit mit einem Logistikpartner vor Ort. Denn zu lange Transportzeiten werden von Onlinekunden nicht akzeptiert (nicht mehr als 10 Tage). Bieten Sie Ihren Kunden die Vorteile eines internationalen Track-and-Trace-Services. Mehr zum Thema Logistik.

 

4. Nationales Recht

Gerade als neuer Player im Markt gilt es, Vertrauen zu gewinnen und alle Richtlinien einzuhalten. Achten Sie darauf, dass Ihre AGBs, die Liefer-, Versand- und Zahlungsbedingungen, Kennzeichnungspflichten usw. den Anforderungen des Zielmarktes entsprechen. Zudem gilt es, die Einfuhrbestimmungen zu beachten. Dies betrifft nicht nur klassischerweise zu verzollende Genussmittel oder Kraftstoffe, sondern auch Agrarprodukte, Pflanzen, Tiere, Lebensmittel, Pharmazeutika, Dual Use Produkte und vieles mehr. Denken Sie beim internationalen Onlinehandel an unterschiedliche  nationale Altersgrenzen gemäß Jugendschutzgesetzen.

 

5. Vertrauen: Gütesiegel und Standards

Kennen Sie das e-maerket von e-handelsfonden oder das Confianza Online? Das sind dänische und spanische E-Commerce-Gütesiegel und hier etwa so bekannt wie die meisten deutschen Händlerzertifizierungen in Spanien und Dänemark. Gütesiegel helfen Onlinekunden bei der Orientierung über Qualität und Seriosität eines Anbieters. Allerdings nur wenn sie bekannt sind. Eine Lösung bieten internationale Verbände wie die European Multichannel and Online Trade Association (EMOTA), deren nationale Mitglieder sich auf einheitliche Zertifizierungsstandards geeinigt haben und Onlinehändler als Zertifizierungsdienstleister bei der Internationalisierung unterstützen. Das internationale Management von Produktinformationen sowie von Such- und Lieferprozessen lässt sich durch den Einsatz der Global Trade Item Number (GTIN) verbessern.

 

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6. Payment: Vorlieben und Sachzwänge

Der Bezahlprozess und die angebotenen Bezahlmethoden sind entscheidende Faktoren für die Konversion. Sie müssen nicht alle Arten anbieten, sondern den richtigen Mix: In Asien und Australien ist das Bezahlen per E-Wallet verbreitet, in Europa trifft das lediglich für Portugal zu. Im Schwellenland Brasilien boomt der E-Commerce, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Einkommensniveau recht niedrig ist. Erfolgreich sind hier nur Onlinehändler, die Ratenkauf und Finanzierungsmodelle anbieten.

 

7. Marketing: keine Stangenware

Je globaler sie im Marketing agieren, umso größer wird der Aufwand, um Kundendaten, Inhalte und Maßnahmen zu verwalten. Zentrale Marketing-Plattformen und definierte Workflows helfen, die Übersicht zu behalten. Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von lokalisierten Texten und Bilderwelten. Schon viele Unternehmen sind durch unglückliche Produktnamen, Klischees oder den Verstoß gegen lokale Tabus gescheitert. Insbesondere geht es auch um SEO- und SEA-Maßnahmen. Bedenken Sie, dass in manch anderen Ländern Google gar nicht die beliebteste Suchmaschine ist. In Russland ist Yandex verbreitet und in China Baidu.