Nach einer qualitativen und quantitativen Untersuchung der GfK, der Gesellschaft für Konsumforschung, werden sich die Onlineumsätze im Einzelhandel bis 2025 verdoppeln. Ab diesem Punkt sei aber mit keinem weiteren signifikanten Wachstum im Onlinehandel mehr zu rechnen. Wir haben uns die Prognose einmal genauer angesehen und die wichtigsten Ergebnisse für Online- und Multichannelhändler zusammengefasst.

 

Die Prognose bis 2025

Die gute Nachricht ist, dass die GfK-Studie eine Verdopplung der Onlineumsätze bis 2025 auf 15 Prozent im gesamten Einzelhandel und sogar auf ein Viertel im Nonfood-Bereich erwartet. Allerdings werde sich das Wachstum mit der Zeit abschwächen, so die Macher der Studie, da es sich um einen reinen Verdrängungswettbewerb handele. Außerdem habe der E-Commerce eine hohe Reife erreicht und dementsprechend lasse seine Innovationskraft etwas nach. Umgekehrt besinne der stationäre Handel sich auf seine Stärken und passe seine Maßnahmen an.

 

Welche Sparten haben das größte Wachstumspotenzial?

Beim Wachstum bis 2025 geht das Marktforschungsunternehmen davon aus, dass es sich insbesondere in Richtung Lebensmittel & Drogerie verschieben wird. In diesem  Segment besteht zweifelsohne der größte Nachholbedarf im Onlinebereich – aktuell liegt der Onlinenateil beim Gesamtumsatz mit Lebensmitteln bei gerade 1,2 Prozent – und damit auch das größte Zuwachspotenzial. Für den Anteil am gesamten Online-Handelsvolumen von momentan etwa 8 Prozent erwartet die Studie daher eine Verdopplung auf 16 Prozent bis 2025.

Die restlichen Bereiche zeichnen sich nur durch geringes Wachstum oder stabile Anteile aus. Potenzial gibt es noch beim Möbel- und Einrichtungsversand sowie im Bereich Haus und Garten.

 

Wo sind Wachstumsgrenzen im E-Commerce erreicht?

Einzige bedeutende Ausnahme ist der Bereich Technik & Medien, dessen prozentualer Anteil am Onlineumsatz sich von derzeit 38 auf 31 Prozent verringern wird. In absoluten Zahlen wächst dieser Sortimentsbereich zwar noch, aber eben deutlich schwächer. Für manche Warengruppen scheint bereits heute die Nachfrage annähernd befriedigt. Das Wachstum im Technik & Medien Subsegment Bücher ist jetzt schon rückläufig. Zuletzt betrug der Umsatzzuwachs gerade mal 2,4 Prozent bei Büchern.

Generell gehen die Autoren davon aus, dass in diesen Segmenten die Wachstumsgrenzen erreicht seien. Aktuell scheinen sowohl das Umsatzwachstum, als auch die Marktdurchdringung dafür zu sprechen – etwa 65 Prozent der Konsumenten haben bereits online Bücher bestellt.

 

Das Wachstum der Onlineumsätze bei Büchern & Medien scheint zu Ende

Bücher werden wohl auch im Onlinehandel zum Ladenhüter

 

Wer gibt am meisten im Onlinehandel aus?

Eine Zielgruppe ist sehr schnell ausgemacht: Alleinstehende, gut verdienende, junge Männer. Die haben mit 17,8 etwa einen doppelt so hohen Anteil an Onlineausgaben als Frauen derselben soziodemografischen Schicht (8,8 Prozent). Spannend ist auch, dass sowohl die besonders einkommensschwachen Gruppen als auch die besonders einkommensstarken einen wesentlich höheren Anteil bei den Onlineausgaben haben. Erstere wollen im Netz sparen, letztere möchten von Komfort und Zeitersparnis profitieren. Außerdem: Je größer der Haushalt, umso geringer die Online-Ausgaben.

 

Umsatzstärkste Gruppe im Onlinehandel

Die umsatzstärkste Kundengruppe im Onlinehandel: jung, männlich, single

 

E-Commerce, Internethandel, Onlinehandel: Was wurde untersucht?

Bei Umsatzprognosen dieser Art – und insbesondere im Onlinehandel – stellt sich immer das Problem, was der eigentliche Untersuchungsgegenstand ist. Ist der E-Commerce die Gesamtheit aller Transaktionen, die online im Groß- und Einzelhandel getätigt werden, also DER Internethandel? Oder ist der E-Commerce ein Synonym für die Branche der Onlinehändler? Dann müssten Onlineumsätze von Multichannel-Anbietern unbeachtet bleiben. Und was ist mit dem B2B E-Commerce? Der hat zwar nur einen kleinen Anteil bei den Online-Playern und der Anzahl der Transaktionen aber den größten bei den im Internet generierten Umsätzen. Der E-Commerce ist also denkbar schwer zu fassen.

 

Was heißt das für den Handel – stationär wie online?

Die Untersuchung des GfK beschränkt sich daher auch auf das Konsumverhalten 20.000 deutscher Haushalte. Nach eigenen Angaben bietet das Panel „Aktuell die solideste verfügbare Grundlage, um das gesamte Handelsuniversum – Offline wie Online – abzubilden.“ Also leider Nein denn es wird nur der Konsumhandel betrachtet, der B2B-Bereich, der im Onlinehandel aktuell boomt, fehlt völlig. Auch werden Omnichannel-Trends nur als Innovation des stationären Handels betrachtet. Allerdings sind Omnichannel-Strategien prinzipiell ohne den E-Commerce gar nicht denkbar.

 

Was wir also sicher sehen werden, ist nicht das Ende des Umsatzwachstums im Onlinehandel, sondern eine immer stärkere Verschränkung der Kanäle. Bis zu dem Punkt, an dem wir uns nicht mehr in anachronistischer Schwarz-Weiß-Malerei fragen, welcher Kanal am Umsatzstärksten ist, sondern viel granularer nach den Umsatzanteilen einzelner Maßnahmen und Tools. Das dann im Hintergrund eine Vertriebslösung – die mehr ist als nur ein Shopfrontend oder eine Kassensoftware – die Handelsprozesse managt, dafür muss man nun wirklich nicht mehr in die Kristallkugel schauen.